HP-27 erfolgreich gerettet

Neulich habe ich seit langem mal wieder einen Taschenrechner ersteigert, und zwar einen HP-27. Das war HP’s erster „do everything“ Rechner, daher vielleicht auch der Code Name „Salad“. Der Auktionstext gab keine Auskunft darüber, ob er noch funktioniert, aber dieses Risiko habe ich in Kauf genommen. Schliesslich hat man nicht jeden Tag die Gelegenheit, ein solches Teil zu ergattern. Und sowieso: den Mutigen gehört die Welt!

Ein Rechner für alle Fälle

Im Handbuch wird der HP-27 so angepriesen:

Endlich hat jemand einen «Taschenrechner für alle Fälle» entwickelt. Der HP-27 löst die Probleme, mit denen Sie als vielseitig geforderter Berufstätiger täglich konfrontiert werden. Ganz gleich, ob Sie Budgets jonglieren, eine technische Frage beantworten, Trends prognostizieren, Laborergebnisse überprüfen oder Marktdaten analysieren – der HP-27 löst Probleme schnell und präzise und erleichtert Ihnen damit die Arbeit.
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Ob bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs … ganz gleich, ob Sie die Probleme Ihres Unternehmens oder Ihre eigenen angehen: Mit dem HP-27 haben Sie die Lösungen stets griffbereit. Weltweit sind über eine Million wissenschaftliche und kaufmännische HP-Taschenrechner im Einsatz. Mit HP befinden Sie sich also in bester Gesellschaft!

Er packte also Mathematik, Statistik und Finanzen in ein einziges Gehäuse. Um die vielen Funktionen visuell zu bändigen, führte HP zwei Präfixtasten ein: eine goldene und eine schwarze Umschalttaste.

Ein wichtiges Merkmal aber fehlt: die Programmierbarkeit. Das war wohl ein Preis-/Leistungskompromiss. Der HP-27 wurde 1976 eingeführt und kostete 200$, nach heutiger Kaufkraft eine erhebliche Investition. Nur ein Jahr später kam der HP-29C raus, der mit 195$ günstiger war und eben programmierbar. Vielleicht der Grund, wieso der HP-27 1978 schon wieder aus den Regalen verschwand. Die relativ kurze Produktionszeit könnte auch der Grund sein, wieso dieser Taschenrechner heute eher schwierig zu ergattern ist.

Das übliche Problem

Der HP-27 wurde schnell geliefert und ebenso schnell von mir ausgepackt. Leider war es so, wie ich schon erwartet hatte: der Akku zeigte üble Korrosionsschäden.

Als ich den Taschenrechner aufgeschraubt hatte – was bei der Woodstock-Serie schnell gemacht ist – sah ich auch meine nächste Befürchtung bestätigt: die Korrosion hatte sich ins Innere ausgebreitet und Teile der Platine angegriffen. Insbesondere die vertikalen Goldkontakte waren mehr grün als golden.

Mit Geduld und Ausdauer habe ich alles gereinigt. Zum Glück waren keine Leiterbahnen stark beschädigt und ich war darum immer noch guten Mutes. Es hat allerdings mehrere Versuche gebraucht, bis der Rechner wieder Lebenszeichen von sich gab. Nach einen letzten Reinigungsdurchgang dann das erhoffte Erfolgserlebnis:

Sowohl das Display als auch alle Tasten haben wieder funktioniert! Nicht selbstverständlich, denn bei dieser Serie ist häufig der ACT-Chip defekt. Dafür gibt es glücklicherweise Ersatz, siehe hier. Zum Schluss reinigte ich noch das Gehäuse und das Tastenfeld. Jetzt durfte ich einen ganz ansehnlichen HP-27 in meine Sammlung aufnehmen.

Fast komplett

Leider war die Originalverpackung nicht mehr vorhanden. Aber dafür war das Handbuch mit dabei. Habe ich schon gesagt, dass ich ein grosser Fan der Handbücher von Hewlett Packard bin? 😉 Ich freue mich immer wieder darüber, mit wie viel Liebe diese Handbücher gestaltet wurden. Etwas, was heute aus der Mode gekommen ist, aber eigentlich zum guten Engineering dazu gehören würde.

Nach erfolgreicher Reparatur habe ich der Verkäuferin geschrieben, dass der Taschenrechner wieder läuft und habe folgende Antwort bekommen:

Schön dass Sie sich melden! Das freut mich riesig, dass der Rechner «lebt». Das hätte ich nicht hingekriegt. Noch mehr freut mich, dass er bei Ihnen in den richtigen Händen ist. Er ist aus dem Nachlass meines Vaters. Er hatte die HP-Rechner in seinem Architekturbüro im Einsatz. Ich habe mit diesem Model in meiner Zeichnerausbildung gearbeitet.

Solche Geschichten erfreuen mein Sammlerherz!

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