Ich prompte, also bin ich

Heute in den News gelesen: „KI-Nutzung nimmt in der Schweiz stark zu, fast ein Drittel der Bevölkerung nutzt KI täglich“. Zugegeben, das trifft auch auf mich zu. Aber das ist hauptsächlich beruflich bedingt. Privat nutze ich KI unter anderem für mein Taschenrechner-Hobby. Blog-Artikel schreibe ich noch gerne selber. Hingegen ist das Beitragsbild, wie man wohl leicht erkennt, von einer KI erstellt.

Einsatzgebiete für KI-Unterstützung im Zusammenhang mit alten Taschenrechnern und Computern kann man sich viele vorstellen. Hier nur einige Ideen:

  • Übersetzung oder Aufbereitung von Dokumentation.
  • Recherchen aller Art. Meistens ist das schneller als selber zu Googeln und man kriegt die Informationen schön und verständlich zusammengefasst.
  • Troubleshooting und Reparatur von Hardware. Dafür kann man die KI auch mit Service-Handbücher und Schaltplänen füttern.
  • Programme schreiben. Im Prinzip macht man das ja lieber selber, da es schliesslich Hobby ist. Aber die KI kann hier sinnvoll unterstützen.
  • Kreative Kombination von alter und neuer Technologie. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und der Coolness-Faktor ist hoch.
  • usw.

Hingegen ist alles handwerkliche wie der Ersatz der Transportrolle beim Magnetkartenleser noch immer in Menschenhand. Und das ist auch gut so. Allerdings könnte die KI bei der Erstellung einer sauber strukturierten und in mehreren Sprachen verfügbaren Reparaturanleitung durchaus gute Dienste leisten.

Ob das eine gute oder schlechte Entwicklung ist, kann und will ich hier nicht bewerten. Für mich ist KI ein Hilfsmittel, dass mal besser und mal schlechter funktioniert. Meine bisherigen Erfahrungen reichen von „Woaahh, krass“ bis „Aber hallo?“. Die folgenden drei Beispielen sollen das illustrieren.

Bildgenerierung

Wie schon eingangs erwähnt, habe ich das Titelbild mit Hilfe von ChatGPT erzeugt. Und zwar nicht nur das Bild selbst, sondern auch die Idee dazu. Auf meinen relativ einfachen Prompt hat die KI verschiedene Vorschläge generiert. Einer davon hat für mich so gut gepasst, dass ich ihn gleich umsetzen liess. Mit dem Ergebnis war ich grundsätzlich zufrieden, nur der HP-41 war komplett falsch dargestellt:

Unrealistischer HP-41C
HP-41C – KI generiert 😉

Das wollte ich meinen Lesern nicht zumuten! Ein erster Versuch, das zu korrigieren, lief ins Leere. Darum fragte ich bei der KI nach, was ich denn falsch gemacht hatte. Die Erklärung war einleuchtend:

Das Problem liegt weniger an deiner Beschreibung als an einer grundsätzlichen Schwäche der Bildgenerierung: Ein HP-41C ist für ein Bildmodell kein „Gegenstand mit exakten Geometriedaten“, sondern wird immer wieder als „typischer alter HP-Rechner“ interpretiert. Deshalb verändert es trotz meiner Anweisung Details wie Tastatur, Display, Proportionen und Beschriftungen.
Die beste Lösung: Gib mir ein echtes Referenzbild

Die KI hat mir zudem erklärt, auf was ich beim Referenzbild achten sollte. Gesagt, getan. Ich habe ein Bild ausgewählt, auf welchem der HP-41 auf einem 3D-gedruckten Ständer liegt, weil das eine ähnliche Perspektive hat wie das zu ersetzende Teil. Das hat schlussendlich geholfen und das Resultat sieht meiner Meinung nach ganz akzeptabel aus. Wer genau hinschaut, findet immer noch einige Unzulänglichkeiten. Aber meine „Message“ finde ich gut umgesetzt, und selber hätte ich das nie so hingekriegt, vor allem nicht in einer Viertelstunde.

FOCAL Programm erstellen

Ich arbeite gerade an einem kleinen Programm für den HP-41 und nahm das zum Anlass, die KI darauf loszulassen. Um was es bei diesem Programm geht, möchte ich noch nicht verraten. Ich werde es sicher zu gegebener Zeit hier vorstellen. Um es gleich vorweg zu nehmen: hier kam die KI gehörig ins Stolpern! Eine grosse Falle war der UPN-Stack. Zwar scheint sie das Prinzip des Stacks verstanden zu haben, aber die feinen Details wie z.B. welche Funktionen einen Stack-Lift bewirken, hat die KI ignoriert. Auch mit der Stackgrösse hatte sie ihre liebe Mühe. Oft liefen die vorgeschlagenen Programmteile in einen Stacküberlauf rein.Teilweise hat die KI auch einfach die Reihenfolge der Werte auf dem Stack durcheinander gebracht.

Was mich in diesem Fall ebenfalls gestört hat, war, wie lehrerhaft sich die KI benahm. Sie hat alles bis ins kleinste Detail erklärt und ich musste sie antreiben, endlich vorwärts zu machen. Das lässt sich natürlich mit passenden Prompts verhindern, was ich aber als Teil dieses Experiments nicht machen wollte. Schlussendlich kann das ja auch lehrreich sein, hat also durchaus einen positiven Aspekt. Allerdings sollten dann die Erklärungen stimmen, was im Zusammenhang mit dem Stack eben nicht immer der Fall war.

Irgendwann habe ich dieses Experiment – ein wenig genervt – abgebrochen. Ich werde das Programm doch lieber selber schreiben. Interessanterweise hat mir die KI ganz am Anfang auch noch vorgeschlagen, eine MCODE Variante zu erstellen. Offensichtlich hat sie sich erinnert, dass mich dieses Thema interessiert. Man muss sich also immer bewusst sein, dass man mit der Nutzung einer KI einiges über sich selbst preisgibt. Eine gewisse Vorsicht ist also durchaus angebracht.

Gescannte Bilder überarbeiten

Wenn ich Zeit und Lust habe und gerade nichts anderes in der Projektpipeline ansteht, arbeite ich an den HP-41 Kurzanleitungen. Als Ausgangspunkt dient normalerweise ein gescanntes PDF. Im Falle der HP-41 Kurzanleitung gibt es zwei Abbildungen der Tastatur. Da Scanner immer Bilder mit gewissen Artefakten liefern und manchmal schon die Vorlage nicht perfekt ist, wollte ich ausprobieren, ob die KI hier Abhilfe schaffen kann. Mich haben an den gescannten Bildern vor allem zwei Dinge gestört: die gelbe Shift-Taste war eine Ansammlung mehr oder weniger gelber Pixel, aber nicht schön gleichmässig. Das zweite Problem war, dass die gelben Beschriftungen oberhalb der Tasten leicht unscharf und nicht so gut lesbar waren.

Scan-Artefakte

Auch der Schriftzug „HEWLETT PACKARD 41C“ war nicht so schön und gut lesbar, wie ich mir es gewünscht hätte. Ich habe meine Beobachtungen der KI beschrieben und das Bild hinzugefügt. Das Ergebnis hat mich restlos überzeugt:

Perfekte Shift-Taste, Beschriftung schärfer
HP Schriftzug wesentlich besser


Jedenfalls fast restlos, denn zuerst hatte ich übersehen, dass im Display jetzt ***HP-41E*** zu sehen war. Ob das E wohl für Enhanced stand? Halb so wild, das überflüssige Segment konnte ich leicht entfernen und dazu ein wenig schmunzeln. Mein Fazit für dieses Beispiel: super! Zeitaufwand für zwei Tastaturbilder (Standard und Alpha): circa eine halbe Stunde. Selbst hätte ich das wohl mit mehreren Stunden Bildbearbeitung nicht so gut hingekriegt. Für ähnliche Aufgaben werde ich in Zukunft sicher auf die KI zurückgreifen.

Mein Fazit

KI hat in den letzten Jahren unglaubliche Fortschritte gemacht, das lässt sich nicht bestreiten. Ich bin kein KI Fanboy, eher der pragmatischer Benutzer. Wenn ich einen klaren Nutzen sehe, setze ich dieses Helferlein gerne ein, um Zeit zu sparen oder bessere Ergebnisse zu erzielen. Mir ist auch bewusst, dass im Hintergrund die Datenkrake ihr Unwesen treibt und nehme das mit einem Seufzer in Kauf und lasse die nötige Vorsicht walten, soweit das geht. Wie mit jedem Werkzeug muss man den Umgang zuerst in verschiedenen Situationen üben und Erfahrungen sammeln. Entziehen kann man sich dieser Technologie wohl kaum, darum ist es sinnvoller, einen für sich passenden Umgang damit zu finden.

Wo die weitere Entwicklung uns hinführt, steht in den Sternen. Es ist aber klar, dass wir den Diskurs führen müssen, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen. Hier ist auch die Politik gefordert. Und das sollte jetzt passieren, denn diese Technologie entwickelt sich unglaublich schnell weiter. Als Kind der Heimcomputer-Ära habe ich schon einige technologische Sprünge miterlebt. Diese Umbrüche haben bei vielen Menschen Angst geschürt vor der Zukunft. Angst ist jedoch ein schlechter Berater und schränkt das Handeln ein. Ich meine, eine aktive Gestaltung unserer Zukunft und die (kritische) Auseinandersetzung mit technologischem Fortschritt ist der bessere Weg.

Die Beschäftigung mit alten Taschenrechnern und Computern kann helfen, die technologische Geschichte zu bewahren und aus dieser zu lernen. Was kann falsch daran sein, dafür auch moderne Technologie einzusetzen?

Change is the only constant in life!

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